Die Geschichte der Chiemsee-Plätte

Vom Fischerkahn zur Einheitsklasse 

 

Bereits 1932 beurkundeten die am Chiemsee ansässigen Segelclubs, der Chiemsee Yacht Club und der Wassersport Verein Fraueninsel, mit der 10 qm Einheits-Segelplätte „ein billiges Einheitsboot“ zu schaffen, welches einen „einwandfreien Wettsegelsport“ ohne großen Aufwand ermöglicht und zudem „als gewöhnliches Gebrauchsboot verwendbar sein sollte“. So entstand aus den historischen und für den Chiemsee typischen Arbeitsbooten der Fischer eine bis heute aktive und lebendige Einheitsklasse, die durch ihre bescheidene Eleganz und Einfachheit besticht.

Die positive Weiterentwicklung dieser traditionsreichen, am Chiemsee gebauten Boote, die Einhaltung originaler Bauvorschriften und das „Bestreben der Gründerklubs zur Hebung des Segelsports“ fördert die Chiemseeplätte-Klassenvereinigung e.V.

Unterstützen Sie mit Ihrer Mitgliedschaft den Erhalt der traditionellen Chiemseeplätte und den „einwandfreien Wettsegelsport“ im Sinne ihrer Gründungsväter!

 

Die ersten Anfänge

Die ersten Anfänge des Segelsports am Chiemsee reichen zurück bis ins auslaufende 19. Jahrhundert. Eine Gedenktafel am alten Münster auf der Fraueninsel erinnert an den ersten tragischen Segelunfall im Jahr 1879. Bei einer Segeltour ertranken die Insulaner Georg Müller und Adam Schweiberer, sowie der Eigner und Steuermann des Bootes, der tschechische Maler Stradal. Daraufhin wurde es lange ruhig um den Segelsport am Chiemsee.

 

Die „wilden“ Jahre

Erst Jahre später wagten sich wieder die ersten kühnen Segler auf den See: es waren der Kunstmaler Baer und sein Kollege Karl Raupp. Die Maler Prof. Heim und Prof. Dr. Graf, sowie die jungen Brüder Stickler brachten die Segelei am Chiemsee wieder in Schwung. Sie galten als die „frechen Segler“, die manchmal mehrmals an einem Tag kenterten. So ging es weiter bis 1913, dem Gründungsjahr des Chiemsee Yacht Club

 
 

Eine neue Einheitsklasse wird geboren

Bereits in den 30er Jahren unterzeichneten die am Chiemsee ansässigen Segelclubs Chiemsee-Yacht-Club und Wassersportverein Fraueninsel eine Erklärung zur Gründung einer Chiemsee-Einheitsklasse. Sie stellten sich die Aufgabe ein billiges Einheitsboot herauszubringen, das – bei den damals ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen – einer möglichst großen Zahl von Interessenten die Ausübung des Segelsports ohne großen Geldaufwand ermöglichen sollte. Vor allem der seglerische Nachwuchs sollte gefördert werden.

 
 

Die ersten „echten“ Chiemseeplätten

Die ersten Chiemsee-Plätten waren die ursprünglichen Fischerkähne, an die man Außenschwerter anbrachte und die mit einem kleinen Lugger-Rigg getakelt wurden.

Je nach Segelgröße segelte man in der A, B oder C – Plättenklasse. Doch bereits Anfang der 30er Jahre wurden die ersten Boote mit einem Steckschwert aus Metall ausgerüstet und erhielten ein 10 qm Gaffelrigg mit deutlich steiler stehender Gaffel, um die Am-Wind-Eigenschaften zu verbessern. Der damalige 1. Vorstand des Chiemsee-Yacht-Club Eugen von Beulwitz war nach einer Regatta von den Plätten so begeistert, dass er sich dafür einsetzte eine neue Einheitsklasse zu schaffen.

Nun war es nur noch ein kleiner Schritt bis im Jahr 1932 die ersten Pläne für die zukünftige Einheitsklassse entstanden. Bootsbauer Franz Madl und der Ingenieur Sepp Holzmayer sind die Urheber des ersten offiziellen Plättenplans, der weitgehend unverändert, mit einer kleinen Anpassung im Jahr 1954 bis heute seine Gültigkeit hat.

 
 

Beliebteste Regattaklasse am Chiemsee

Obwohl die Plätte über den Chiemsee hinaus nur wenig Verbreitung fand, entwickelte sie sich zu einer der beliebtesten Regattaklassen am See. In den 30er Jahren bis hinein in die Nachkriegszeit der 50er und frühen 60er Jahre war die Plätte jedenfalls die beliebteste und stärkste Bootsklasse am Chiemsee. Einige, später auch in nationalen und internationalen Klassen sehr erfolgreiche Steuerleute, lernten in der Plätte Taktik und Technik des Regattasegelns.

Das erste Boot dieses Typs, getauft auf den Namen „Chiemo“ wurde vom Chiemsee-Yacht-Club in Auftrag gegeben.

 

 

Die 60er Jahre: Die Plätten in der Flaute

Die erste Zeit nach dem 2. Weltkrieg – eine Zeit, in der mit Elan und Begeisterung der Plättensport gepflegt wurde – nicht selten waren mehr als 30 Boote am Start– dauert nicht lange an. Es wurde alles versucht, um die Plättensegelei attraktiv zu machen. Man fuhr an den Starnberger See, wo sich der dort ansässige Ammerlander Segel Club der Pflege des Plättensports verschrieb. Es entstand eine nette kameradschaftliche Verbindung, die über viele Jahre andauerte. Gerne erinnern sich die älteren Insulaner an legendäre gemeinsame Feste. Leider sind diese Kontakte zum AmSC sehr vernachlässigt worden, so dass sie sich im Laufe der Jahre völlig auflösten.

Der Plättensport schien trotz aller Anstrengungen gezeichnet. Ende der fünfziger Anfang der sechziger Jahre starteten bei den Plättenregatten nur noch acht bis zehn Plätten. Dies schienen die ersten Anzeichen zu sein, dass das Schicksal der Chiemsee als Rennsegelklasse besiegelt war.

 
 

Die 1980er Jahre: Die Wiederauferstehung der Plätte

Die Plätte – oftmals totgesagt, genießt seit Mitte der 80er Jahre eine Renaissance, die ihresgleichen sucht. Die Rückbesinnung auf Traditionen, das wiederentdeckte Baumaterial Holz, die praktische Konstruktion und nicht zuletzt eine neue Bescheidenheit haben die Plätte wieder salonfähig gemacht. Sie braucht weder im sportlichen Bereich, noch in der Akzeptanz anderer Betrachter den Vergleich mit einem innovativen, computerberechneten Hightech-Racer zu scheuen. Plättensegeln ist wieder „in“.

71 Plätten starteten im Jahr 2001 beim legendären, von ehemaligen Lindenwirt Wasti Obermaier initiierten und vom WVF ausgerichteten „Lindchen-Cup“.

Diskussionen über die Einhaltung der Baupläne, Gewicht und Segelfläche sind seit Jahren ein Thema bei Regatten und bei den Siegerehrungen.

 
 

Nach dem Plättenfrühling: Wie geht’s weiter?

Mit dem Revival der Chiemseeplätte verbreitete sich die Klasse in Windeseile über die Gestade der Fraueninsel hinaus. Neue Gesichter tauchten auf den Regattabahnen auf und neue Vereine zeigten Interesse daran, Plätten Regatten zu veranstalten.

Waren es anfangs nur der WVF und der SCCF, die Plättenregatten durchführten, so gibt es zwischenzeitlich 6 Plättenregatten um den See verteilt. Neben den beiden vorgenannten Vereinen veranstaltet nun auch wieder der CYC und der SRV Regatten für die Plätten.

Diese 6 Regatten werden zu einer Gesamtwertung zusammengeführt. Der Plättensegler mit der geringsten Gesamtpunktzahl wird der Chiemsee-Plättenmeister der jeweiligen Saison.

Bei einem der winterlichen Plätten-Stammtische entstand die Idee, die Klassenregeln neu zu entwickeln, die schließlich nach langen Beratungen von den beteiligten Plättenseglern am 09.02.2015 beschlossen wurden. Die Einführung der Klassenregeln führte schließlich dazu, dass es bei der Georg-Klampfleuthner-Gedächtnis-Regatta 2016 zu einem Protest unter zwei Plättenseglern  kam, dem vom Schiedsgericht des WVF stattgegeben wurde. Gegen diesen Protest hat der unterlegene Segler dann sogar mit anwaltlicher Hilfe Berufung beim DSV eingelegt, was ein absolutes Novum in der Plätten Klasse war.

Wichtig aus Sicht der Vereine als Veranstalter von Regatten ist es, dass Besitzer älterer und gegebenenfalls schwererer Plätten wieder an den Regatten teilnehmen. Dies wird voraussetzen, dass Auswüchse beim Bau der Plätten eingedämmt werden und mehr Chancengleichheit geschaffen wird. Letztlich muss es unser Interesse sein, die Plätte als eine der ältesten Klassen am Chiemsee zu alter Stärke zurückzuführen.

 

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